Nachhaltigkeitskommunikation

Von Evelyne Huber-Reitan und Claus Reitan

Nachhaltigkeitsstrategie 2025 der OMV

Am 29. November 2018 lud die OMV zur Präsentation ihrer Nachhaltigkeitsstrategie 2025. Als Gesprächspartner standen Rainer Seele, OMV Generaldirektor und Bernhard Heneis, OMV Head of Sustainability, und die OMV Public Relation zur Verfügung. Evelyne Huber war vor Ort und stellte anschließend zu der präsentierten Strategie sechs Fragen. Die Antworten der OMV lesen Sie hier nachfolgend. Das wörtliches Transkript des mündlichen Vortrages von Rainer Seele ist HIER nachzulesen:

1) Erdgas zählt wie Erdöl zu fossilen Energieträger. Was plant die OMV im Bereich erneuerbare Energien? Florian Ermacora, Abteilungsleiter in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission in Brüssel, sprach auf der IRE-Konferenz zur „Zukunft der Energie Europa“ in Salzburg davon, dass Europa 32,5% an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2030 erreichen will. Engagieren Sie sich hier mit?

OMV: Die OMV nutzt Öl und Gas verantwortungsbewusst und sinnvoll. Beide wird es noch in den nächsten Jahrzehnten dringend brauchen – wenn z.B. erneuerbare Energien nicht verfügbar oder erschwinglich sind, oder die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet ist. Gas ist der Unterstützer der Energiewende hin zu einem CO2-ärmeren Energiesystem. Alleine durch den Wechsel in der Stromproduktion von Kohle zu Gas könnte eine sofortige Einsparung von 50 % CO2 erzielt werden. Ebenso verhält sich dies im Transportsektor. Gas verursacht 20–95 % weniger CO2-Emissionen und beinahe keine Feinstaubemissionen. Technologie und Infrastruktur sind verfügbar. Mehr als die Hälfte der OMV Produktion wird Erdgas sein. Die OMV investiert in moderne Technologien, die Anlagen effizienter, Prozesse nachhaltiger und Produkte werthaltiger machen. Wie z.B. bei der OMV ReOil Recycling-Pilotanlage, die aus Altkunststoffen synthetisches Rohöl gewinnt oder im Bereich Co-Processing. Mit Hilfe dieser innovativen Technologie werden biogene Einsatzstoffe gemeinsam mit fossilen, erdölbasierten Rohstoffen in einer bestehenden Hydrieranlage der Raffinerie verarbeitet. Ebenso beschäftigt sich die OMV mit Zukunftsenergien im Mobilitätsbereich, denn die Mobilität der Zukunft wird ein breiterer Mix sein als heute. Flüssige fossile Kraftstoffe werden weiterhin eine Rolle spielen. Wasserstoff, Elektroantrieb und Erdgas sind dabei sicher Technologien mit Potential und einer grünen, erneuerbaren Perspektive.

2) Ministerin Köstinger sprach in Ihrer Pressekonferenz auf der Wachstum im Wandel Konferenz von einer Vision einer erdölfreien Gesellschaft. Im Jahr 2020 will sie eine Steuerreform gestalten, um hierfür Potentiale und Lenkungseffekte zu erzielen. Wie stehen Sie mit Ihrer heute präsentierten Strategie dazu?

OMV: Öl und Gas wird es noch in den nächsten Jahrzehnten dringend brauchen, um eben die Energiewende hin zu einem CO2-ärmeren Energiesystem zu unterstützen. Die OMV bekennt sich zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens und setzt Klimaschutzmaßnahmen und ist bestrebt, den wachsenden Energiebedarf CO2-effizient zu decken. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Verbesserung der CO2-Effizienz ihrer Geschäftstätigkeit und ihres Produktportfolios.
Die OMV sieht es auch als Ihre Aufgabe leistbare Energie zu liefern. Denn wir haben ein essentielles Interesse, dass unsere Kundinnen und Kunden eine nachhaltige Zukunft haben. Die OMV stärkt damit den Wettbewerbsstandort Österreich und sieht es als ihre Aufgabe zu günstigen Konditionen Energie zu beschaffen, zu produzieren und mit höchster Qualität zu liefern.

3) Nebojša Nakićenović, Generaldirektor Stv. der IIASA, hat auf der o.e. IRE-Konferenz im Zuge der Dekarbonisierungsdiskussion eine Dualwirtschaft von Gas und Strom begrüsst, jedoch hinzugefügt, dass das Energiesystem veraltet ist und Gasleitungen adaptiert werden müssen. Sehen Sie darin auch ein Problem für Ihre Strategie?

OMV: Grundsätzlich wird laufend in die Gasinfrastruktur investiert. Da der Bedarf an Erdgas rund um den Globus steigt und bis 2030 mit einem Plus von 23 % auf 3,7 Milliarden Tonnen Öläquivalent gerechnet wird, ist dies auch notwendig. Deshalb finanziert OMV auch gemeinsam mit vier weiteren europäischen Energieunternehmen den Bau der Nord Stream 2 Pipeline.

4) Ministerin Köstinger will noch in dieser Regierungsperiode Österreich im internationalen SDG-Ranking weiter vorrücken und mit Bundeskanzler Sebastian Kurz unter die Top 5 bei der Umsetzung der SDGs kommen. Derzeit liegt Österreich auf Platz 9. Sie haben heute 4 SDGs vorgestellt, auf welche Sie sich fokussieren. Da Sie u.a. von der Suche nach richtigen Partnern sprachen bzw. die Regenwaldaufforstung kurz erwähnten, welche Aktionen im Bereich Partnership (SDG 17) und Bildung (SDG 4) planen Sie für Ihr Kerngeschäft? Planen Sie sich auf weitere SDGs zu fokussieren? Beispielsweise Innovation und unternehmerische Nachhaltigkeit (SDG 9 und 11?) oder Circular Economy (SDG 12)?

OMV: Als integriertes Öl- und Gasunternehmen mit internationaler Präsenz unterstützen wir mit Projekten und Initiativen die 2015 von der UN-Generalversammlung definierten messbaren Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Die für die OMV wesentlichsten SDGs sind:

  • SDG 7 – Bezahlbare und saubere Energie,
  • SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz,
  • SDG 8 – Menschen-würdige Arbeit und Wirtschaftswachstum,
  • SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.

Unsere gesamte Nachhaltigkeitsstrategie und -ziele sind an den SDGs ausgerichtet. Unsere Projekte und Leistungskennzahlen (KPIs) werden im Hinblick auf ihren Beitrag zu den SDGs beurteilt. Aufgeschlüsselt nach unseren fünf Nachhaltigkeits-Schwerpunktbereichen (mit insgesamt 15 Nachhaltigkeitszielen, die jeweils Teil der Konzernstrategie sind) sind das vor allem die folgenden SDGs.  Weitere Details zu den Projekten und Initiativen sind auf der OMV-Nachhaltigkeits-Website einsehbar

  • Gesundheit, Sicherheit und Umwelt (HSSE):
    • SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen,
    • SDG 6 – Sauberes Wasser und Sanitärversorgung und
    • SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  • CO2-Effizienz:
    • SDG 7 – Bezahlbare und saubere Energie und
    • SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutzinnovation
  • Innovation:
    • SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum,
    • SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur,
    • SDG 12 – Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster und
    • SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
    • SDG 5 – Geschlechtergleichstellung sowie
    • SDG 10 – Weniger Ungleichheiten
  • Geschäftsgrundsätze & soziale Verantwortung:
    • SDG 4 – Hochwertige Bildung,
    • SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum und
    • SDG 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.

5) Schwerpunktbereich Gesundheit, Sicherheit und Umwelt: Sie erwähnten heute vor allem Arbeitsunfälle. Die AUVA vermerkte dieses Jahr in ihrer Statistik 2017 ein Rekordtief – sogar einen historischen Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1948 – in der Unfallrate und kürzere Krankenstände nach Arbeitsunfällen. Hingegen ist eine kontinuierliche Zunahme psychischer Belastungen am Arbeitsmarkt zu verzeichnen. Bitte könnten Sie kurz die Hintergründe Ihrer Fokussierung auf Arbeitsunfälle aufzeigen?

OMV: An erster Stelle unseres Denkens und Handelns stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der OMV. Es ist unsere Verpflichtung, sicherzustellen, dass jeder unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abends gesund nach Hause kommt, um den Abend, das Wochenende und den Urlaub mit der Familie verbringen zu können. Das ist die oberste Priorität. Dabei geht es auch um Prozesssicherheit und Vermeidung von Arbeitsunfällen, ebenso wie um die psychische Gesundheit unserer Mitarbeiter. Zusätzlich zu den stetig durchgeführten HSSE Audits erfolgen Schulungen und Trainings in diesem Bereich. Betriebsambulanzen mit speziellen Angeboten stehen für optimale medizinische an den OMV Standort zur Verfügung. So z.B. steht unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Headoffice auch eine Arbeitspsychologin zur Verfügung. Details dazu sind im OMV-Nachhaltigkeitsbericht 2017 aufgelistet

6) Wie werden die Mitarbeiter als Stakeholder in die neue Strategie mittels internen Kommunikation eingebunden? Fordern Sie diese auf, aktiv an der Erreichung Ihrer Strategie mitzuwirken? (z.B. CO2-Emissionen kompensieren, mit Fahrrad in Unternehmen fahren,…). Gibt es Schulungen im Bereich Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen? Arbeiten Sie im Bereich Menschenrechts-Schulungen mit der FRA zusammen?

OMV: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in einem umfangreichen Kommunikationsprogramm über unsere Nachhaltigkeitsstrategie informiert. Die OMV nutzt dabei Kanäle wie z.B. Internet, Intranet, Infoscreens, Blog-Beiträge und Bewegtbilder. Zusätzlich wird ein multimediales Kommunikationsprogramm über das gesamte Jahr 2019 laufen. Die 15 gesetzten Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie sind Teil der OMV Business-Strategie und diese können nur gemeinsam mit dem gesamten OMV Team erreicht werden. Auch wird Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeboten sich aktiv an nachhaltigen Projekten zum Beispiel: Suppe mit Sinn, kleine Herzen, jede Dose zählt. Alle Projekte und Initiativen in Österreich sind auf dieser österreichischen OMV-Nachhaltigkeitswebsite einsehbar) zu beteiligen. Im Rahmen von Team Buildings engagieren sich eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für nachhaltige Projekte und Partner.
Präsenzschulungen vermitteln unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Inhalte des OMV Managementsystems für Menschenrechte und ermöglichen die Diskussion konkreter operativer und lokaler Herausforderungen. Ein zusätzliches interaktives E-Learning-Programm führt durch menschenrechtsrelevante Normen und Situationen und steht konzernweit zur Verfügung. Darüber hinaus wurden Positionen und Funktionen – vor allem im operativen Geschäft – definiert, für die ein Programm mit speziellen und detaillierteren Schulungen zum Thema Menschenrechte durchgeführt wird. Für die Umsetzung unserer menschenrechtlichen Verpflichtungen sind professionelle Schulungen und Bewusstseinsbildung entscheidend. Daher hat sich die OMV zu einer Kennzahl und einem Ziel verpflichtet: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des OMV Konzerns, die Menschenrechtsthemen besonders ausgesetzt sind, werden bis 2025 entsprechend geschult. OMV arbeitet in diesem Bereich mit HumanRightsConsulting Vienna, Mag.iur.Walter Suntinger, der mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte zusammen arbeitet. Weitere Details zu den Menschenrechten unter nachhaltige Geschäftsgrundsätze der OMV-Website.

Evelyne Huber dankt für die Antworten!

BewusstseinGesellschaftNachhaltigkeitZukunft

Evelyne Huber-Reitan • 2018-12-13


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