Julia Pabst/Journalistinnenkongress

Beim Workshop „Zwischen Leben und Überleben“ im Rahmen des 21. Journalistinnenkongresses am 6. November 2019 im Haus der Industrie sprachen vier Expertinnen über ihre Herausforderungen in der Medienbranche und gaben Tipps für Journalist*innen. Evelyne Huber-Reitan war dabei.

„Sprechen Sie über Geld. In Österreich ist Geld ein unangenehmes Thema, es gibt keine verpflichtende Einkommenstransparenz. Ein angemessenes Gehalt muss eingefordert werden, verkaufen Sie sich nicht unter Wert ”, sagte Gewerkschafterin und Autorin Veronika Bohrn-Mena. „Sie dürfen außerdem nicht glauben, dass Ihre Arbeit und Ausbildung nichts wert sind. In der Medienbranche sind befristete Jobs und Praktika eine Notwendigkeit. Zu viele Praktika sehen am Lebenslauf allerdings auch nicht gut aus, weil Sie dadurch Sprunghaft wirken”, so Bohrn-Mena.

Die stellvertretende derStandard.at-Chefredakteurin Nana Siebert appellierte an junge Frauen, kämpferisch zu sein. „Wir bekommen als Frauen eingeimpft, dass wir gemocht werden, wenn wir ja nur schön brav und angepasst sind. Dann arbeiten wir wie kleine Laborratten und warten auf das 1+ vom Chef samt Gehaltserhöhung und Beförderung”, sagte Siebert. Sie gab den Tipp, lieber früher als später etwas zu sagen. „Männer gehen viel öfter zu ihren Vorgesetzten. Wir Frauen haben viel mehr Angst vor Zurückweisung, weil wir sie als persönliche Ablehnung empfinden”, so Siebert weiter. „Je lästiger Sie sind und je klarer Sie formulieren, desto eher bekommen Sie es auch. Wenn Plan A nicht funktioniert, ist es ratsam, sich einen Plan B zurechtzulegen”, so Siebert. Ein weiteres Learning sei die Tatsache, dass mit einem Aufstieg in der Hierarchie auch vermehrt Konflikte im Unternehmen aufkommen. „Der größte Fehler in solch einer Situation ist es, sich vor den Konflikten zu scheuen. Lieber die emotionale Ebene rausnehmen und sachlich formulieren. Jedoch lohnt es sich auch, zu wissen, wann ein Kampf gewonnen werden kann und wann man sich lieber geschlagen geben sollte”, erklärte Siebert.

Als systemische Arbeitsbewältigungstrainerin hat Evelyne Huber-Reitan auch mit Frauen zu tun, die sich vom Beruf überfordert fühlen und Burn out gefährdet sind. „Eine gute Psychohygiene ist wichtig. Einfach mal offline sein und sich dem Wunsch nach Perfektion nicht sklavisch unterordnen”, sagte Huber-Reitan. „Die emotionale Distanzierung zum Job in der Freizeit hilft, den Kopf freizukriegen. Mein Appell an alle Frauen: ‚Vernetzen Sie sich, unterstützen Sie einander und passen Sie auf sich und Ihre Kolleginnen auf”, so Huber-Reitan.

ORF-Journalistin Waldtraud Langer bezog sich in ihrer Rede auf die Gesundheit: „Psychisch und physisch gesund zu bleiben, ist das oberste Ziel.” Langer riet jungen Journalistinnen außerdem, sich auf ein Thema zu spezialisieren, das in der Redaktion noch nicht abgedeckt sei: „Seien Sie für etwas Expertin und knien Sie sich rein. Geben Sie Geld aus – egal ob für Kinderbetreuung, den Haushalt oder für die Pflege. Jede Beschäftigung abseits der Arbeit wirkt sich auf Ihre Karriere und somit Pension aus.” 

Quelle: medianet.at/news/marketing-and-media/zwischen-leben-und-ueberleben-30003.html

Weitere Infos: www.journalistinnenkongress.at

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