Nachhaltigkeitskommunikation

Von Evelyne Huber und Claus Reitan

CSR-Expert-Tag Wien 2018

©Florian Wieser/WkWien

Am 30. Mai 2018 war das Gewerbehaus der Wiener Wirtschaftskammer Hotspot für CSR-interessierte Unternehmerinnen und Unternehmer. Dort trafen sich auf Einladung der CSR Consultants der Fachgruppe UBIT Wien WissenschafterInnen, Berater*innen und Best-Practice-Unternehmer*innen zum Business Frühstück. Diskutiert wurden machbare Schritte hin zu verantwortungsvoller Unternehmensführung. Evelyne Huber war als Mitglied der Wiener CSR Consultants dabei und erörterte gemeinsam mit weiteren Mitgliedern, welche Chancen sich für kleine und mittlere Unternehmen aus dem Megatrend Nachhaltigkeit ergeben und wie diese erkannt werden können.

Die Studienpräsentation

Nach der Begrüßung durch Fachgruppen-Obmann-Stellvertreter Peter Stepanek und der Landessprecherin der Wiener CSR Consultants Alexandra Adler stand als erster Punkt die Studienpräsentation von Dr.in Daniela Ortiz und Dr. Christopher Kronenberg vom Research Cluster for SMEs & Family Businesses der FHWien der WKW auf dem Programm. Das von der Stadt Wien geförderte “Kompetenzteam für nachhaltiges, strategisches und chancenorientiertes Management von KMU“ präsentierte erstmalig seine Erkenntnisse zu nachhaltiger Unternehmensführung, basierend auf acht Best Practices aus Österreich. 

©Florian Wieser/WkWien

Die Studie „Management der sozialen Verantwortung in KMU“ geht der Frage auf den Grund, was nachhaltige, veranwortungsvolle Unternehmensführung ausmacht, welche Phasen dabei durchlaufen und welche Erfolge und Innovationen damit erreicht werden. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sollen anderen KMU als Hilfe zu verantwortungsvollem Wirtschaften dienen. Als zentralen Ergebnisse, wann KMU Nachhaltigkeit im Unternehmen erfolgreich umsetzen, lässt sich festhalten:

  • wenn Unternehmen großes Bewusstsein für eine strategische Herangehensweise haben;
  • wenn sie ihre Maßnahmen deutlich intern ausrichten, d.h. sich stark auf interne Kommunikation oder Kriterien für die Lieferantenauswahl konzentrieren; sowie
  • wenn mit den Maßnahmen nachhaltige Innovationen erfolgen, die oft mit der Befähigung von Mitarbeitenden, eigenverantwortlich Veränderungen vorzunehmen, einhergehen.

Inputs aus der Praxis

Im zweiten Programmteil interviewte Moderator Michael Bauer-Leeb, selbst Mitglied der Wiener CSR-Expert*innen, einige erfahrene CSR Consultants aus Wien zu ihrem „5-Schritte-Modell vom Risiko zur Chance“. Dieses zielt darauf ab, zukünftige Herausforderungen für KMU nicht nur rechtzeitig zu erkennen und einschätzen zu können, sondern auch – unter Bedachtnahme der eigenen Kernkompetenzen – die Chancen zu nutzen, die sich daraus ergeben können.

©Florian Wieser/WkWien

Annemarie Schallhart wies beispielsweise darauf hin, dass es nötig ist, sich der rasant eintretenden Veränderungen und ihrer Auswirkungen bewusst zu werden: Megatrends könnten als Inspirationsquelle dienen. Für Unternehmen würde dies bedeuten, eine art Wandelkompetenz zu entwickeln. Das heißt, Strategien für die Zukunft entwickeln ohne gleichzeitig die aktuellen Wertschöpfungsprozesse zu vernachlässigen – und umgekehrt. Alexandra Adler erläuterte anschließend, dass neue Risiken erst einmal identifiziert werden müssen, bevor sie als Chancen nutzbar gemacht werden können. Die Risiken durch nachhaltigkeitsrelevante Faktoren steigen, wie auch im Risikobericht des World Economic Forum nachzulesen ist. Sie plädierte für einen Perspektivenwechsel: „Eine Umkehr der Blickachse – vom Unternehmen hinaus auf seine Umwelt und die Menschen – kann inspirierend wirken: Was verursachen und bewirken wir, was wollen wir verursachen und bewirken und für wen?“ Diese zentralen Fragen sollen, ja müssen auch mit den Stakeholdern diskutiert werden, so Adler.

©Florian Wieser/WkWien

Heinz Sares machte indess einen Vorschlag zur Schadensbegrenzung: Unternehmen, die den CO2-Fußabdruck ihres Betriebs und ihrer Produkte und Dienstleistungen (Corprate bzw. Product Carbon Footprint) ausweisen können, werden im Kampf gegen die fortschreitende globale Erderwärmung an Bedeutung gewinnen, prognostizierte Sares. Dadurch würden sich Unternehmen eine wettbewerbsstärkende Stellung schaffen: mit nachhaltigen Produkten wären neue Märkte und Kundengruppen erschließbar und als nachhaltiges Unternehmen gelinge eine zukunftsweisende Positionierung. Außerdem helfe der genaue Blick auf den Carbon Foortprint bei der Identifiation konkreter Einsparungspotenziale, etwa im Bereich der Energieversorgung oder Ressourcenbeschaffung. Domenica Tscherne riet Unternehmen anschließend zur Ausrichtung auf die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, um mit ihren Kernkompetenzen positiven „Impact“ zu erzeugen, also der Welt etwas Gutes, Wichtiges beizusteuern – oder eben ein Problem zu lösen, ohne ein anderes zu verursachen. Diesen Schritt haben bislang vor allem Start-Ups und Social Entrepreneurs vollzogen. Neue Geschäftsmodelle tragen zur Lösung der existierenden und erwartbaren Herausforderungen bei. Auf die nachhaltigen Entwicklungsziele ging abschließend Evelyne Huber näher ein. Als SDGs, Sustainable Development Goals, Global Goals oder Agenda 2030 bekannt, böten diese 17 Ziele mit ihren 169 Unterzielen genügend Inputs, um Unternehmen strategisch verantwortunsvoll auszurichten, so Huber.

Gespräche mit den Experten

©Florian Wieser/WkWien

Bei den abschließenden Gesprächsrunden mit drei geladenen UnternehmerInnen konnten die Studienergebnisse und das Modell der CSR Consultants auf Praxistauglichkeit überprüft werden: Das überaus interessierte Publikum trat in regen Austausch mit

  • Doris Ploner , Geschäftsführerin von Die Käsemacher, die mit kompromisslos nachhaltigen Maßnahmen den Weg aus der drohenden Insolvenz schaffte;
  • Theresa Steiniger, Geschäftsführerin von Wohnwagon, die ihr Unternehmen aus Ärger über die Zustände in der Bauindustrie gründete; und
  • Manfred Schieber von Cuitec Großküchentechnik, für den das regelmäßige Hinterfragen des eigenen Geschäftsmodells die Voraussetzung dafür ist, Chancen am Markt zu identifizieren.

Der Ausklang

©Florian Wieser/WkWien

Der Ausklang der Veranstaltung fand bei einem Buffet statt, wo die interessierten Besucherinnen und Besucher ihre Gespräche fortsetzen konnten. Das Catering stammte von Schmatz….matz, einer Initiative der Schule Holzhausergasse: in diesem mit dem österreichischen Umweltzeichen für Tourismus ausgezeichneten Projekt werden Jugendliche auf das Berufsleben vorbereitet und können an Arbeitstrainings teilnehmen.
Die gesamte Veranstaltung CO2-neutral war ausgerichtet und vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus mit dem Umweltzeichen für Green Meetings/Green Events zertifiziert.

BewusstseinGesellschaftNachhaltigkeitZukunft

Evelyne Huber • 2018-06-01


Previous Post

Next Post

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published / Required fields are marked *

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code
     
 

*