Rainer Sturm / pixelio.de

Perspektiven eines Neustarts sind Thema eines Online-Zwiegesprächs mit der Psychotherapeutin und Viktor-Frankl-Preisträgerin Boglarka Hadinger und dem Journalisten Claus Reitan bei den Europäischen Toleranzgesprächen am 28. Mai 2020, die heuer virtuell stattfinden und dem passenden Motto „Exodus – Auszug aus dem Vertrauten“ gewidmet sind.

Ein Sinn-Bild für die Zukunft ist wichtig

Für einen Neustart braucht man ein Sinn-Bild, also die Vorstellung einer Möglichkeit, wie es in Zukunft besser sein könnte als heute„, sagt Psychotherapeutin und Viktor-Frankl-Preisträgerin Boglarka Hadinger gegenüber pressetext. Wenn die Ist-Situation geprägt ist von Schmerz und Leid, muss man aufbrechen – eine Binsenweisheit, die so einfach nicht funktioniert. „Nur eine negative Motivation genügt nicht. Das führt eher zu Resignation„, betont Hadinger. Wichtig sei es, ein sinnhaftes Ziel vor Augen zu haben. „Die meisten Menschen – und das ist das Problem heute – haben so eine einladende Zukunftsvorstellung für unsere Welt nicht mehr. Da liegt unsere Generationsaufgabe heute.“

Etwas Sinnvolles durch etwas Sinnvolleres ersetzen

Laut Hadinger sollte man vor den Zukunftsschritten innehalten und eine Standortbestimmung durchführen, um zu sehen, was bisher erreicht wurde. Das – das gebe Kraft und Zuversicht. „Wenn man alles Bisherige entwertet, wird man keine Kraft zum Aufbrechen haben„, warnt sie. Zudem mahnt die Expertin, bei allen Kurs- und Verhaltenskorrekturen: „Ein Auszug aus der Misere gelingt nur, wenn man sich innerlich nicht austauschen muss. Leider wird das heute von vielen gefordert, und das mündet in Protest und Starre. Veränderung ist auch so möglich, dass man das eigene Wesen nicht verraten muss.“ Kurskorrekturen sind nicht nur für einzelne Menschen wichtig. „Auch als Gesellschaft stehen wir immer wieder in einer Entwicklungskrise und das ist normal„, meint Hadinger und verweist dabei auf die gegenwärtige gesellschaftliche und technologische Situation.

Ausbruch aus dem leistungs- und profitorientierten Alltag

Im Grundwesen sind wir aber nicht viel anders als unsere Vorfahren vor hunderttausenden Jahren. Uns machen ähnliche Dinge glücklich und ähnliche unglücklich wie damals„, erklärt Hadinger weiter.. Somit reagiere der Organismus zum Beispiel auf das rasante Lebenstempo verstehbar: „Eine Zeit lang halten wir das durch. Aber dann kommt es zu Sucht, Aggression, Depression und Erschöpfung – und das ist eine sehr gesunde Reaktion“, meint sie. Ausbruchsversuche aus dem einseitig leistungs- und profitorientierten Alltag seien verständlich. Die Krisen von heute – auch die Coronavirus-Krise – sind Wendepunkte für den Neubeginn. „Die Aufgabe der heutigen Generation liegt nicht in ’noch mehr‘, sondern im Streben danach, dass jeder Mensch dort, wo sein zu Hause ist, gut leben kann“, ist Hadinger überzeugt. Wenn dieses Ziel erreicht sei, werde sich Sinn und Lebensqualität für alle einstellen. „Dafür kann jeder etwas tun. Die heutige Zeit braucht wieder Pioniere„, so die Psychotherapeutin. Gerade junge Menschen, die noch nicht wohlstandsträge seien, könnten eine entscheidende Rolle spielen, um die Welt zu einem besserren Ort für alle zu machen.

Fotocredit: Rainer Sturm  / pixelio.de

Weitere Infos zu den # ETG20 erschienen bei pressetext:

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