Foto: Universität Wien

Ein einfacher entzündeter Schnitt könnte in Zukunft in der Hand zu einer tödlichen Bedrohung werden. Dann nämlich, wenn die gängigen Antibiotika unwirksam werden und wir keine effektiven Antibiotika mehr zur Verfügung haben. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird sich unsere Lebenserwartung rapide verkürzen“. Mit diesen Worten warnt Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Wagner vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung vor den aktuellen Entwicklungen hin zu einem post-Antibiotisches Zeitalter.

Welche Rolle spielen die Mikroorganismen für unsere Gesundheit? Und wie können wir ein „post-Antibiotisches Zeitalter“ verhindern? Die Bedeutung des Mikrobioms für weit verbreitete Krankheiten hat Wagner in einem Interview mit uni:view, dem Online-Magazin der Universität Wien erläutert. Wagner erklärt, wie Antibiotikaresistenzen durch vier Maßnahmen erfolgreich verhindert werden können:

„Ernährungsgewohnheiten, Reisen, Darmspiegelungen, Antibiotika etc. verändern die Zusammensetzung unseres Darmmikrobioms. Manche dieser Veränderungen sind reversibel, andere bleiben. Vor allem der übertriebene Einsatz von Antibiotika ist ein Keulenschlag für das Darmmikrobiom und verändert dessen Zusammensetzung massiv.“

  1. Antibiotika nur dann einzunehmen, wenn es wirklich notwendig ist. Je häufiger sie eingesetzt werden, desto schneller verlieren sie ihre Wirksamkeit. Zum Beispiel werden Antibiotika sehr häufig bei banalen Erkältungen verschrieben. Hier sind sie oft aber gar nicht wirksam, da diese meist nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht werden.
  2. Massentierhaltung, wo Antibiotika in riesigen Mengen eingesetzt werden, ist in den Augen von Wagner ein Verbrechen an der Menschheit. Weniger Fleisch essen und der Verzicht auf Fleisch aus der Massentierhaltung wären hier wichtige Maßnahmen. Billigfleisch und gleichzeitig über lange Zeit wirksame Antibiotika sind nicht möglich.
  3. Durch entsprechende Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern muss penibel darauf geachtet werden, dass sich bereits resistent gewordene Krankheitserreger nicht unter den PatientInnen ausbreiten.
  4. Es braucht mehr Forschung. Für die Pharmaindustrie ist die Erforschung neuer Antibiotika nicht profitabel genug, da die Einnahmezeit dieser Medikamente meist nur ein bis zwei Wochen beträgt und die Krankheit dann besiegt ist. Hier sind also auch staatliche Stellen gefragt, die Antibiotikaforschung mitzufinanzieren.

Das gesamte Interview samt einem Video mit Michael Wagner ist HIER nachzulesen.

Dieses bildet den Auftakt zur neuen Semesterfrage der Universität Wien: Gesundheit aus dem Labor – was ist möglich? Jedes Semester stellt die Universität Wien ihren WissenschafterInnen eine Frage zu einem Thema, das die Gesellschaft aktuell bewegt. In Interviews und Gastbeiträgen liefern die ForscherInnen vielfältige Blickwinkel und Lösungsvorschläge aus ihrem jeweiligen Fachbereich.

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