shutterstock / Nicku
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Zeit für eine neue Reformation? Eine, die sich an das Jahr 1517 anlehnen könnte? Just in dem Moment wo wir, Evelyne Huber und Claus Reitan, uns im Zuge einer Nachaltigkeitsrecherche vor der Tür zur Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg befanden – ein Jahr vor dem 500-Jahre-Jubiläum des Thesenanschlages von Martin Luther – erreichte uns die Kathpress-Aussendung vom 17. Juni 2016.

Papst Franziskus würde die meisten kirchlich geschlossenen Ehen für „ungültig“ halten, wurde mitgeteilt. Man erinnert sich: Auch zu Luthers Zeit meinte der Papst, er wüsste, was richtig und falsch für das Leben der Gläubigen sei. Der damaligen Buß- und Ablasspraxis, mittels derer man sich von der Buße für das Falsche  freikaufen konnte, trat Martin Luther entschieden entgegen. Für den Theologen aus Wittenberg führte die Ablasspraxis von der wahren Buße weg und versprach einen falschen Frieden – im Inneren und mit Gott.

Der Papst begründet seine aktuelle Aussage zu den Ehen damit, dass der Mehrzahl der Paare  das nötige Verständnis von Dauer und Verpflichtung einer Ehe fehle. In der gegenwärtigen „Kultur der Vorläufigkeit“ würden sich Brautleute zwar lebenslange Treue versprechen und guten Willens sein – aber sie wissen eben nicht, was sie sagen. Ein Versprechen ohne Bewusstsein über die Konsequenzen „sei nur vorläufig„. Deshalb hält der Papst die Mehrheit der sakramentalen katholischen Ehen für ungültig. Der Papst spricht von „Schnellschusshochzeiten„, die aufgrund einer Schwangerschaft der Braut anberaumt würden.

Nach geltendem Kirchenrecht ist eine katholisch geschlossene Ehe – abgesehen von Formfehlern oder Nichtvollzug des Geschlechtsaktes – etwa dann ungültig, wenn einer der Brautleute von vornherein lebenslange Treue oder die Zeugung von Kindern ausschließt. Die Ursache für die gegenwärtige Krise der Ehe ortet der Papst darin, dass „die Leute nicht wissen, was das Sakrament bedeutet“ und seine Schönheit nicht kennen würden. Sie wüssten nicht, dass die Ehe unauflöslich sei und ein ganzes Leben gelte.

Was würde wohl Martin Luther dazu sagen, fragte sich Evelyne Huber an diesem 17. Juni 2016 in Wittenberg.

Gerechtigkeit formt sich aus dem Glauben

Martin Luther würde wohl antworten, dass Gott uns gnädig ist. Punkt um. Er würde antworten wie zur Zeit der Reformation. Vielleicht würde der Theologe ergänzen, dass der Zweifel an der Gültigkeit vieler kirchlicher Ehen ein Problem des Papstes sei, welches dieser zum Problem aller katholischen Gläubigen zu machen versucht. Denn die Evangelische Kirche betrachtet die von Gott gestiftete Lebensgemeinschaft unter Getauften nicht als Sakrament. Das Versprechen einer lebenslangen Ehe wird bei den Evangelischen aber genauso ernst genommen, wie bei den Katholiken.

Es kann sein, dass die Gemeinschaft zweier Menschen unwiderruflich zerbricht. Und es kann sein, dass es zur Scheidung kommt. Wenn Geschiedene danach eine neue Ehe eingehen möchten, sieht die Evangelische Kirche die Chance eines Neubeginns und bejaht diese Ehe. Daraus darf nicht geschlossen werden, dass die Evangelische Kirche das Versprechen einer lebenslangen Ehe nicht ernst nimmt. Im Gegenteil.

Daraus darf geschlossen werden, dass der Mensch menschlich und fehlerhaft ist und Gott uns eben gnädig ist und uns immer wieder neue Chancen gibt, um aus Fehlern zu lernen. „Darin offenbart sich die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt.“ Genau darauf verwies Martin Luther (Hab 2,4 LUT) stets, diese Erleuchtung widerfuhr ihm im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters. Es darf angenommen werden, dass er sich auch heute nach 500 Jahren noch dafür einsetzen würde.

Posted by Evelyne Huber

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