Tim Reckmann / pixelio.de
Tim Reckmann / pixelio.de

Im Trubel einer Übersiedlung fand meine Tochter, Angehörige der Generation Y, eine Schreibmaschine namens Hermes Baby. Ein elektromechanisch-angetriebenes Ding, mit dem auf ein Blatt Papier geschrieben werden kann. Ein Wort nach dem anderen. Je nach Anschlag, geht ein anderer Zeichenhebel hoch und schlagt durch das Farbband auf das Papier auf. Sie muss zwischen 1967-1974 produziert worden sein. Meine Tochter ist begeistert und stellt fest: Urcool, weil man sieht, was man tut. Uranstrengend, weil es einen viel größeren Kraftakt bedarf, um einen Buchstaben zu tippen. Urlaut, sodass sie das Geräusch gleich auf ihrem iPhone aufgenommen hat. Während des Tippens ruft sie mich um Hilfe, ob ich ihr zeigen könnte, wie sie die Schrift größer stellen könnte. “Geht nicht, es gibt nur einen Umschalter zwischen Klein- und Großbuchstaben” antworte ich. “Copy und paste ist nicht möglich. Auch googeln nicht. Absätze einfügen, Rechtschreibfehler korrigieren, Wörter umstellen,…. alles schwer möglich. Der Zeilenschalthebel fügt nur eine neue Zeile ein, wenn die Hand den Hebel bewegt.”

Wir beginnen zu sinnieren, wie sich doch die Zeiten dank der Digitalisierung geändert haben. Schriftsteller und Autoren wie etwa Ernest Hemingway, John Steinbeck, Peter Härtling oder Friederike Mayröcker und auch viele Journalisten besaßen noch solch ein Ding. Die Arbeit des Journalisten war früher eine komplett andere wie heute. Redakteurin Susanne Schübel (58) kommentiert die Veränderung kürzlich in newsroom.de mit den Worten: “Von dem Schreiben auf der Schreibmaschine und dem manuellen Setzen der Texte, über die ersten Computer, bis hin zur heutigen Zeit mit Smartphones und Social Media – der Beruf ist immer im Wandel und jede Zeit bringt ihre Chancen hervor, an die sich Journalisten immer wieder anpassen müssen.” Sie räumt ein, dass der Beruf des Journalisten anspruchsvoller geworden ist, weil er heute einen größeres Tätigkeitsgebiet abdecken würde. Der Journalist soll schreiben, fotografieren, layouten und filmen und auf allen Kanälen kommunizieren können. Der Arbeitsmarkt erfordere eierlegende Wollmilchsäue, so Schübel, mit einem Willen zum lebenslangen Lernen und einer Bereitschaft zu unpopulären Arbeitszeiten.

Wer wie Journalisten in einem kommunikativen Beruf tätig ist, muss auch das nötige Handwerk dafür beherrschen. War es früher “Fingerspitzengefühl” für die richtigen Zeichenhebel, so sind heute alle unsere Gefühle gefordert, um journalistische Erfahrungen authentisch, ehrlich und mittels dem passenden Kommunikationsmittel wiederzugeben. Zeiten ändern sich. Gefühle auch.

Posted by Evelyne Huber

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