Nachhaltigkeitskommunikation

Von Evelyne Huber und Claus Reitan

Verbunden sein

shutterstock / IVASHstudio

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Menschen in einer Beziehung müssen sich aufeinander beziehen und miteinander verbunden sein. Das macht Beziehung aus, doch wann beginnt diese Verbundenheit? Als Erwachsener, als Jugendlicher, als Kind, als Baby oder noch vor der Geburt?

Der Prozess der Bindung beginnt bereits lange vor der Geburt, also „pränatal“.

Die aktion leben und das  Institut für Familienforschung (ÖIF) präsentierten im Mai 2016 Österreichs erste wissenschaftliche Dokumentation zu diesem Thema. Die qualitative Studie zeigt, wie sich die Förderung der Verbundenehit und der Beziehung vor der Geburt auf Eltern und das Kind auswirkt. Diese neue Methode der Schwangerenbegleitung nennt sich in Deutschland und anderen Ländern „Bindungsanalyse“ (BA).

Die Bindungsanalyse ist noch jung

Die Bindungsanalyse (BA) wurde in den 1990er Jahren von den ungarischen Psychoanalytikern György Hidas (*1925-2012) und Jenö Raffai (*1954-2015) entwickelt. Es handelt sich um eine Form der Schwangerschaftsbegleitung, die idealerweise zwischen der 20. bis 25. Schwangerschaftswoche beginnt. Ein(e) eigens dafür ausgebildete(r) Bindungsanalytiker(in) lädt die werdende Mutter, aber auch den Vater, dazu ein, mit ihrem ungeborenen Kind über Körperempfindungen, Gedanken und innere Bilder in Kontakt zu treten. Die Methode ist aus einem psychoanalytischen Ansatz heraus entstanden. Trotzdem handelt es sich nicht um eine Form der Psychotherapie, sondern um eine Maßnahme der Prävention.

Präventiv und gesundheitsfördernd wirkt sich die Bindungsanalyse insoferne aus, als sie die Kaiserschnittrate senkt, zu weniger zu früh geborenen Kindern führt und postpartale Depressionen vermeiden hilft. Darüber hinaus ist sie dienlich, der Geburtsgeschichte der Eltern oder wiederkehrenden Geburtskomplikationen in der Familiengeschichte konstruktiv zu begegnen. Damit kann ein Kind in seiner Persönlichkeit frühzeitig psychisch gestärkt werden.

Die Resultate der Studie

Zwischen 2014 und 2015 haben neun Frauen aus Österreich an der Studie teilgenommen, darunter Schwangere und junge Mütter, die kürzlich entbunden hatten, ebenso wie Bindungsanalytikerinnen. Fazit: Als Folge der Herstellung des Kontaktes und der starken Vertrautheit zu dem Ungeborenen berichteten die Frauen unter anderem von einer leichteren, schnelleren Geburt und von mehr Selbstvertrauen bei der Geburt. Starke Gefühle wurden als eher erträglich und bewältigbar empfunden.

„Die Studie verweist auf Forschungsergebnisse aus der Neurologie oder Psychologie sowie aus der Stressforschung. Sie alle zeigen: Ungeborene Kinder sind empfindsame Wesen. Die Bindungsforschung sagt uns, dass Bindung vor der Geburt beginnt und wie wichtig eine sichere Bindung ist“, erklärte die Präsidentin von aktion Leben, Martina Kronthaler.

Weitere Ausbildungslehrgänge sollen folgen

Die ersten Ausbildungslehrgänge starteten in Deutschland 2004, Österreich folgte 2011. In Deutschland sind aktuell 84 BindungsanalytikerInnen gelistet, in Österreich sind es 24, nahezu alle sind Frauen. Die BA wird außerdem in Belgien, Luxemburg, Italien (Südtirol) und in der Schweiz angeboten.

In Österreich regt die aktion leben an, einen weiteren Ausbildungslehrgang anzusetzen und die Bindungsanalyse in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. „Die Bindungsanalyse soll allen zur Verfügung stehen, die das wünschen und für sich in Anspruch nehmen wollen“, so die Generalsekretärin von aktion leben. Ihre Begründung: „Die Bindungsanalyse schafft die Basis für eine gute Entwicklung eines Kindes“. Damit ist sie letztlich über den Einzelnen hinausgehend für die gesamte Gesellschaft ein Gewinn.

Weitere Infos:

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Evelyne Huber • 2016-06-08


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